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Nach einer gefühlt ewig langen Wartezeit kam für Ismail im August endlich die Zusage für einen Ausbildungsplatz als Mechatroniker....und das bei einem rennomierten großen Autohaus. Die Freude war unbeschreiblich und die Wochen vor dem Beginn waren aufregend und voller Vorfreude, aber auch Anspannung, wie es werden würde, ob alles gut ginge!

Die Ausbildung zum Mechatroniker beginnt immer mit einem Berufschuljahr. Dieses schließt mit einer Prüfung ab und gilt nach bestandener Prüfung als erstes Lehrjahr.

Bereits nach dem ersten Unterrichtstag war Ismails Stimmung im Keller. Die Lehrer sprechen schwäbisch im Unterricht! Neben den schwierigen und (noch) fremden Unterrichtsinhalten war das Nicht-Verstehen, vor allem des Schwäbisch wegen, ein Tiefschlag. Mit B1 und viel deutschen Gesprächspartnern war Ismail bislang mit der Sprache und auch dem Verstehen gut zurecht gekommen. Jetzt sah das alles ganz anders aus. Er war sehr nieder geschlagen, setzte sich stundenlang nachmittags nach dem Unterricht an seinen Schreibtisch und wiederholte und übersetzte sich als das, was er im Lauf des Vormittags von der Tafel abgeschrieben hatte. All das, was der Lehrer nebenher gesagt hatte....auf schwäbisch....hatte er nicht verstanden.

Von Woche zu Woche wurde er geknickter, seine sonst immer freundlich-fröhliche Art verwandelte sich in Niedergeschlagenheit und Frust. Er suchte das Gespräch mit den Lehrern und mit seinem Werkstattleiter. Erstere meinten, es sei üblich bei ihnen, dass sie auf Schwäbisch unterrichten, denn das verstünden die jungen Leute, die in den Klassen sitzen am besten; sein Werkstattchef im Autohaus machte ihm Mut und sprach ihm seine Anerkennung aus, für das, wie begabt er für diesen Beruf sei. Was die Schule beträfe, so wisse er, dass das nicht leicht sei, aber er würde sich für ihn einsetzen, selbst wenn er die Prüfung nicht bestehen sollte.

Für Ismail war das keine Option. Er ist ehrgeizig und gewissenhaft und er will alles gut und richtig machen. Der einzige Weg, den er für sich gesehen hat, war, dass er zuerst ein Jahr in dem Betrieb arbeitet, um sich noch besser in der Materie zurecht zu finden. Diese Möglichkeit konnte ihm dieses Autohaus nicht bieten. Sie nehmen grundsätzlich keine ungelernten Arbeiter, dort ist man entweder in der Ausbildung oder man hat ausgelernt und arbeitet als Mechatroniker.

So hat Ismail nach diesen ersten vier Wochen aufgegeben. Seine Stimmung hat sich schlagartig verbessert, er kann wieder lachen, essen und schlafen... und er hat schon einen neuen Arbeitsvertrag, allerdings nicht in einer Autowerkstatt. Er hat seinen Traum aufgegeben, dafür an Lebensqualität gewonnen. Vordergründig sieht es nach einer guten Lösung aus. Durch den Krieg in seinem Heimatland, die Flucht, das Heimweh....hat er schon viele Enttäuschungen in seinem 25jährigen Leben erlebt, vielleicht kommt es da auf eine weitere nicht so drauf an oder er steckt sie zu den anderen, die gut verpackt irgendwo in ihm lagern.

Uns im Helferkreis haben die Entwicklungen der letzten Wochen sehr beschäftigt, betroffen gemacht, mitgenommen. Wir hätten ihm sehr gegönnt, dass er seinen Traum verwirklichen kann. Dass es "nur" am Schwäbisch scheiterte, wird wohl nicht die ganze Wahrheit sein, aber zumindest dieser Teil müsste nicht sein und so haben wir uns mit einer Mail an den Schulleiter gewandt, nachdem das Regierungspräsidium ganz eindeutig klar gestellt hat, dass der Unterricht auf Hochdeutsch statt zu finden hat. Bislang kam keine Antwort auf unser Schreiben.

Bericht von Monika Wolf-Schuler

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