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Zum zweiten Jahreswechsel, den manche unserer Flüchtlinge schon in der Gemeinde verbringen, haben sie uns WhatsAppGrüße geschickt mit kleinen Silvestervideos oder selbst verfassten guten Wünschen. An solch besonderen Tagen beschäftigt sie der Gedanke an die Familie, an die Heimat noch mehr als sonst. Wir sind dann ein bisschen Ersatzfamilie, vermitteln ein klein wenig Heimatgefühl und vor allem die Gewissheit, nicht allein im fremden Land zu sein.

Gleichzeitig merken wir, dass sie flügge werden, dass sie sich zunehmend allein zurechtfinden und selbständig organisieren können. So waren einige über Weihnachten verreist, haben Freunde besucht oder Familienangehörige in Essen, Hamburg, Düsseldorf... Sie scheuen die weiten Reisen nicht und kommen dabei auch gut zurecht.

Derzeit leben acht Flüchtlingsfamilien in der Gemeinde, vier in Wolpertswende und vier in Mochenwangen. Dazu kommen zwölf Einzelpersonen, verteilt auf die beiden Wohnungen in der Anschlussunterbringung der Gemeinde und 16 Flüchtlinge, die im Container wohnen.

Wenn man seinen Aufenthaltsstatus durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bekommen hat, darf man nur noch eine gewisse Zeit im Container bleiben. Einige von ihnen haben bereits eine Aufforderung vom Landratsamt erhalten, dass sie dort ausziehen müssen.

Da die Gemeinde keine weiteren Räumlichkeiten für die Anschlussunterbringung mehr anmieten möchte, müssen sich die Flüchtlinge nach einer Bleibe auf dem freien Markt umschauen. Die Aussichten, eine Wohnung zu finden, sind nicht rosig. Wenn es ihnen nicht gelingt, dann werden sie über kurz oder lang anderen Gemeinden, wo es freie Plätze in einer Anschlussunterbringung gibt, zugewiesen.

Wünsche und Hoffnungen der Flüchtlinge unterscheiden sich nicht sehr voneinander. In erster Linie wünschen sie sich, dass endlich der Krieg in ihren Ländern ein Ende hat. Manche träumen von einer Rückkehr ins Heimatland und von einem Leben in Frieden dort. Andere möchten hier bleiben, eine Ausbildung machen, etwas lernen. Letztlich möchten aber alle etwas tun, Arbeit finden, ihr Studiumwieder aufnehmen, sich weiterbilden.

Die ersten haben ihre Integrationskurse abgeschlossen und wissen jetzt nicht so recht, wie es weiter geht. Man hat den Eindruck, dass es die Ämter auch (noch) nicht so genau wissen, denn die Motivation seitens der Flüchtlinge wäre da und der Arbeitsmarkt könnte sie auch brauchen. Und doch stagniert das Ganze. Ein syrischer Flüchtling wartet jetzt z.B. schon seit fast vier Monaten auf die Antwort eines großen Autohauses, bei dem er sich um einen Ausbildungsplatz beworben hat.

Andererseits haben inzwischen schon eine ganze Reihe von Flüchtlingen Arbeitsplätze gefunden, auch in Ravensburg und Weingarten. Allein in Mochenwangen arbeiten bereits vier in Teil- oder Vollzeit. Besonders freuen wir uns über die positiven Rückmeldungen ihrer Arbeitgeber!!

Der erste "unserer" Flüchtlinge hat soeben seinen Führerschein gemacht: 0 Fehler in der theoretischen Prüfung, 0 Fehler in der praktischen Prüfung und ein dickes Lob des Prüfers und des Fahrlehrers zum Abschluss!

Auch eine Wohnung zu finden, ist ein zentraler Wunsch. Niemand von denen, die aus dem Container ausziehen müssen, möchte noch einmal in eine andere Gemeinschaftsunterbringung; irgendwohin, wo er wieder fremd ist. Durch die neue Regelung der Wohnsitzauflage müssen Flüchtlinge im Landkreis Ravensburg bleiben und können nur unter bestimmten Voraussetzungen zu Verwandten oder Familienangehörigen in andere Landkreise oder andere Bundesländer umziehen. Voraussetzungen dazu sind ein reguläres Arbeitsverhältnis oder ein Studien- oder Ausbildungsplatz und eine Wohnung; lauter Dinge, die – wie bereits erwähnt - nicht gerade leicht zu haben sind.

Was bleibt ist die Hoffnung, die man bekanntlich ja nie aufgeben soll und der Dank an die, die doch eine Wohnung an Flüchtlinge vermieten oder ihnen sonst irgendwie behilflich sind.

Um Unterstützung und Hilfestellung geht es auch bei folgender Bitte: Wir suchen jemanden, gern auch einen Schüler/ eine Schülerin, der zwei syrischen Buben (8 und 11 Jahre alt) mehrmals in der Woche bei den Hausaufgaben hilft. Die beiden sind vor Weihnachten im Rahmen der Familienzusammenführung zu ihrem Vater nach Mochenwangen gekommen, der alleinerziehend mit all den verschiedenen Aufgaben, die da auf ihn zukommen, am Rand der Überforderung ist. (Weitere Auskunft bei Interesse und/oder Fragen: Tel. 07502-2669)

Text: Monika Wolf-Schuler/Gerhard Lormes

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