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Laut Wikipedia ist ein Container ein "Großraumbehälter zur (...) Lagerung von Gütern". Er kann aber auch "für die verschiedensten Nutzungen angepasst und voreingerichtet werden", zum Beispiel als Wohncontainer, Bürocontainer oder Schulcontainer. Dazu werden sie in der Regel isoliert, mit Türen und Fenstern versehen und innen ausgestattet. So können sie als Aufenthaltsraum für Menschen dienen."

Der Container, der im Sommer 2015 am Ortsausgang von Mochenwangen Richtung Wolpertswende aufgestellt wurde, ist ein Wohncontainer mit acht Zimmern mit je 13,5 qm für drei Personen, einer Küche, zwei Wasch- und Toilettenräumen und einem weiteren Zimmer als Aufenthaltsraum.
2015
Es war das Jahr einer in dieser Dimension nicht gekannten Flüchtlingsbewegung, die nicht nur Deutschland vor immense Aufgaben gestellt hat. Städte und Gemeinden rüsteten Hallen zu Notunterkünften um oder stellten im Eiltempo Wohncontainer auf. In Mochenwangen zogen am 17. September 2015, also vor fast genau zwei Jahren, 24 syrische Männer in den neu erstellten Container ein. Für eine große Gruppe ehrenamtlicher Helfer und Helferinnen war es ein aufregender und ein wenig beklemmender Vormittag, als sie auf den Bus warteten, der die Flüchtlinge bringen sollte. In der Rück-Erinnerung bleibt das Bild von Männern, die teils scheu, teils neugierig ihr neues Zuhause und uns musterten, uns die Hand zur Begrüßung reichten, kein Wort Deutsch konnten, und dann ihr Hab und Gut in blauen Plastiksäcken in den Zimmern des Containers verteilten. Jeweils drei Personen teilten sich ein Zimmer.
Der Container hat –könnte er erzählen- viele traurige, aber auch fröhlich-ausgelassene Situationen erlebt. Heimweh, körperliche und seelische Beschwerden, die Angst um Angehörige, die Nachricht von Todesfällen raubten vielen nachts den Schlaf. Anlässe wie Nikolaus, Feste wie Weihnachten und Silvester, aber auch Fasnacht oder kleine Partys brachten hingegen Ablenkung und Abwechslung ins Warten auf den Aufenthaltsstatus oder den Integrationskurs oder einfach auf die Zukunft. Auch Besucher waren immer willkommen.
2016
Die ersten zogen nach dem Erhalt ihrer Aufenthaltsgenehmigung aus dem Container aus und innerhalb Mochenwangens um oder auch ganz woanders hin. Neue, diesmal sehr junge syrische Flüchtlinge belegten den Container. Diesmal war die Begrüßung ganz locker. Die bisherigen Bewohner empfingen die Neuen mit einem arabischen Essen und der Bann war schnell gebrochen. Auch als im Frühjahr 2016 sechs irakische Flüchtlinge zu den Syrern in den Container verlegt wurden, nachdem allerorts Notunterkünfte und Hallen wieder geräumt wurden, ging alles gut und es gab keine wirklichen Probleme.
2017
Am vergangenen Wochenende sind die letzten verbliebenen Bewohner aus dem Container ausgezogen. Ein gemeinschaftliches Putzen und Aufräumen beendete eine zweijährige Ära. Nie gab es in dieser Zeit Ärger, abgesehen vielleicht von leichter Ruhestörung in den Sommermonaten oder während Ramadan, wenn die Flüchtlinge sich spätabends zum Fastenbrechen getroffen haben. Stattdessen kann man im Ort auf sympathische junge Menschen treffen oder auf ganze Familien.
Rund siebzig Flüchtlinge leben seit 2015 in der Gemeinde, darunter 22 Einzelpersonen und zehn Familien mit insgesamt 48 Personen. Alle sind bemüht sich zu integrieren, was man schon daran merkt, dass es mit der Verständigung immer besser klappt! Die Meisten haben schon ihren Deutsch- und Integrationskurs erfolgreich abgeschlossen, manche haben schon einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in unserer Gemeinde oder der Umgebung gefunden. Einige haben schon den Führerschein gemacht und haben sich von ihrem Lohn ihr erstes Auto gekauft.
Bericht: Monika Wolf-Schuler & Gerhard Lormes

 

 

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