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Für viele unserer Flüchtlinge hier in der Gemeinde ist inzwischen der normale Alltag eingekehrt. Natürlich ist es noch nicht ganz der deutsche Alltag mit Arbeit und selbst verdientem Geld. Doch für manche gilt auch das schon. Für andere ist es der Besuch eines Deutschkurses mit dem Erlernen der Sprache. Für andere ist es zusätzlich das Warten auf den Wink des Schicksals, der ein Arbeitsangebot enthält.

Für alle ohne Ausnahme gilt: sie wollen arbeiten oder eine Ausbildung machen, jedenfalls irgendwann eigenes Geld verdienen, um unabhängig vom Jobcenter und staatlicher Unterstützung zu werden.

Der Traum vom Führerschein: Eine Motivation in diese Richtung ist unter anderem auch der Wunsch den Führerschein zu machen bzw. den bereits vorhandenen syrischen oder irakischen umschreiben zu lassen. Dass das die Chancen auf einen Arbeitsplatz verbessert, wissen alle. Ein schon vorhandener Führerschein wird zuerst vom LRA geprüft und danach in der Regel zur Umschreibung zugelassen. Das bedeutet, dass der Bewerber einen Sehtest machen lässt und einen Erste Hilfe Kurs absolviert. Dann lernt er die Fragen für die theoretische Prüfung, wobei es den Fragenkatalog auch in arabischer Sprache gibt. Nach bestandener theoretischer Prüfung muss er ein paar Pflicht-Fahrstunden absolvieren, ehe er die Fahrprüfung machen kann, Irgendwann ist er dann stolzer Besitzer einer deutschen Fahrerlaubnis! Anders sieht es aus, wenn man im Heimatland noch keinen Führerschein gemacht hat. Dann wird es so schnell nichts mit dem deutschen, denn der ist erstmal unerschwinglich teuer.

Ausbildungs- und Arbeitsplatz: Die erlösende Nachricht nach langen bangen Wartemonaten, dass es mit dem Ausbildungsplatz bei einem großen Autohaus in Weingarten geklappt hat, brachte dem Bewerber viele Glückwünsche ein. Mancher Gratulant war trotz ehrlicher Mitfreude insgeheim sicher auch ein bisschen neidisch.

Zum gleichen Zeitpunkt erhielt ein anderer einen Arbeitsvertrag mit einer Vollzeitstelle bei einer Firma in unserer Gemeinde mit der Option auf einen Ausbildungsplatz im nächsten Herbst. Beide jungen Männer sind sich einig, dass sie auf diese Weise ihr Deutsch schnell verbessern werden und dass sie froh und dankbar sind ob der Chance, die sich ihnen da bietet.

Wieder ein anderer bereitet sich derzeit in einer mehrere Monate dauernden Fortbildung auf seine Approbation als Apotheker vor. Er bringt ein abgeschlossenes Pharmazie-Studium mit und kann hier aber erst in seinem Beruf arbeiten, wenn er die Fachsprache erlernt und eine Prüfung dazu abgelegt hat.

Deutsche Sprache – schwere Sprache: Am wenigsten einfach scheint in dieser Hinsicht die Lage für die Familienväter zu sein. Sie haben monatelang auf die Ankunft ihrer Familien hingefiebert. Wenn dann der entscheidende Tag naht, werden sie sehr nervös, denn es treiben sie im Vorfeld viele Fragen um: Werden sich Frau und Kinder in der neuen Umgebung und der neuen Kultur zurechtfinden bzw. das finden, was sie erwartet haben? Werden sie sich alle wieder aneinander gewöhnen können nach der langen Trennungszeit? Darüber ist ihr Kopf zu voll, um sich deutsche Vokabeln zu merken oder konzentriert zu lernen. Wenn dann die Familie schließlich vereint ist, sind sie mit allem so beschäftigt, dass das Deutsch lernen wieder zu kurz kommt. Und in der Familie versteht man sich bestens auf arabisch, kurdisch oder türkisch. So kommt es, dass die Mehrzahl der Familienväter es immer noch schwer hat mit dem Deutschen, was für die Arbeitssuche ein Handicap ist, aber auch für die Verständigung ganz allgemein mit den Lehrern, Erzieherinnen, beim Gang auf die Ämter oder zum Arzt. Da ist der Weg ins „normale Leben“ noch mit Steinen in Form von Vokabeln und Grammatik gepflastert. Doch der gute Wille ist bei allen spürbar, es wird Geduld brauchen.

In diesen Tagen findet die letzte der angekündigten Familienzusammenführungen statt. Dann gibt es in der Gemeinde neun syrische Flüchtlingsfamilien, außerdem eine serbische und eine mazedonische; fünf Familien wohnen in Mochenwangen und sechs in Wolpertswende. Zudem gibt es noch etwa 20 Einzelpersonen, die in vier verschiedenen WGs zusammenleben. In absehbarer Zeit wird dann auch der Container verwaist sein.

Bericht: Monika Wolf-Schuler, Mitteilungsblatt Juli 2017

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